16. Juni 2012, Beitrag von Lucie Rosset, UNO Jugenddelegierte der Schweiz:
Einer der zahlreichen Erfolge des Erdgipfels von vor 20 Jahren war die Anerkennung der wichtigen Rolle, die der Zivilgesellschaft in den Entscheidungsprozessen zur nachhaltigen Entwicklung zukommt. Um ein partizipatives Vorgehen sicherzustellen, wurden neun sogenannte Major Groups definiert, die unterschiedliche Kreise der Gesellschaft abbilden, darunter auch die Major Group «Children and Youth». Diese Gruppe ist ausserordentlich gross und zählt mehrere Tausend junge Menschen aus der ganzen Welt, die seit Monaten online auf Rio+20 hinarbeiten.
Unmittelbar vor Beginn der letzten Verhandlungen, nämlich vom 9. bis zum 12. Juni 2012, versammelten sich rund 2000 junge Menschen aus über 100 Ländern zum «Youth Blast» – einer von Jungen für Junge organisierten Konferenz über die Herausforderungen von Rio+20. Diese Tage waren eine unglaubliche Bereicherung! Trotz sehr unterschiedlicher wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Hintergründe zeigte sich, dass wir jungen Menschen überall auf der Welt mit ähnlichen Zukunftssorgen konfrontiert sind.
Seit Monaten wird über das Schlussdokument mit dem Titel «Die Zukunft, die wir wollen» verhandelt. Aber die Erwartungen der jungen Menschen werden längst nicht erfüllt. Zusätzlich zur grassierenden Jugendarbeitslosigkeit wollen wir nicht auch noch die Konsequenzen der Umweltverschmutzung tragen müssen, geschweige denn in einer Gesellschaft leben, die bereits viel von ihrer Menschlichkeit verloren hat. Deshalb rufen wir die Unterhändler auf, gemeinsam Lösungen für die Errichtung eines effizienten institutionellen Rahmens zu erarbeiten. Ausserdem fordern wir alle Staaten auf, die getroffenen Entscheidungen zu berücksichtigen und entsprechende Aktionspläne auszuarbeiten.
Schliessen möchte ich diesen Beitrag mit einer Anekdote von der Schlusssession des «Youth Blast», der auch der Generalsekretär der Rio+20-Konferenz, Sha Zukang, beiwohnte. Während einer Fragerunde wollte eine junge Frau von ihm wissen: «Angenommen, Rio+20 wird ein Misserfolg. Was würden Sie all den jungen Menschen sagen, die das Kongresszentrum Rio Centro enttäuscht verlassen?» Sha Zukang antwortete ihr ohne Zögern und mit übertriebener Zuversicht: «Misserfolg? Nein! Ein Scheitern der Konferenz dürfen wir nicht zulassen!»
Nur wenige mögen noch auf ein Wunder hoffen. Ich selber gehöre zu denen, die zwischen Zuversicht und Mutlosigkeit schwanken. Aber uns bleiben noch einige Tage. Geben wir die Hoffnung bis zuletzt nicht auf!


