Rio+20-Faktenblatt Bundesamt für Umwelt

Dienstag, 29. Mai 2012

Grüne Wirtschaft: Ressourcen schonen, Armut bekämpfen, Wohlstand schaffen

An der UNO-Nachhaltigkeitskonferenz vom 20. bis 22. Juni 2012 in Rio de Janeiro steht das Anliegen einer Grünen Wirtschaft zum ersten Mal auf der Agenda der Weltpolitik. Die Konferenz Rio+20 soll die verschiedenen internationalen Initiativen und Strategien für eine Grüne Wirtschaft bündeln und zusammenführen. Angesichts der Bedeutung für die künftige Entwicklung der Menschheit macht sich die Schweiz Vorfeld stark für eine „Green Economy Roadmap“ mit einer klaren Vision sowie konkreten Zielen, Prinzipien und Instrumenten zu deren Umsetzung.

Die Erde ist ein begrenzter Planet mit einer Vielzahl von endlichen Ressourcen, die sich in menschlichen Zeitdimensionen nicht erneuern können. Doch gegenwärtig wirtschaftet die Menschheit, als ob sie einen zweiten Planeten in Reserve hätte. Durch den laufend steigenden Bedarf an rohstoffintensiven Gütern und Dienstleistungen werden die natürlichen Lebensgrundlagen – wie Böden, Wälder und Grundwasservorkommen – je nach Region zum Teil schon heute massiv übernutzt.

Gemessen an der ökologischen Tragfähigkeit der Erde haben wir weltweit die zulässige Belastung Mitte der 1980er-Jahre überschritten. Mit einem Wert nahe bei 1,5 liegt der ökologische Fussabdruck der Menschheit inzwischen fast 50 Prozent über dem umweltverträglichen Mass. In der Schweiz ist er sogar noch höher. Die Weltwirtschaft bewegt sich also nicht etwa auf eine ökologische Schuldenkrise zu, sondern steckt bereits mittendrin. Klar erkennbare Symptome dieser Krise sind zum Beispiel der weltweite Klimawandel durch die Anreicherung der Atmosphäre mit Treibhausgasen, der Verlust an Biodiversität oder der Verlust fruchtbarer Böden.

Umweltbelastung von Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum entkoppeln

Ziel muss es sein, den ökologischen Fussabdruck bis etwa zum Jahr 2050 weltweit wieder auf die Kapazität einer Erde zu reduzieren, wie dies vor 1980 stets der Fall war. Seither hat die Weltbevölkerung allerdings von rund 4,4 auf heute über 7 Milliarden Menschen zugenommen und sie wird in den kommenden Jahrzehnten weiter wachsen. Angesichts des rasanten Wohlstandwachstums gerade in grossen Schwellenländern, dürfte die Nachfrage nach Rohstoffen und Konsumgütern weiterhin ansteigen.

Es ist nur möglich, den Druck auf die natürlichen Ressourcen zu vermindern, wenn Wirtschaftswachstum und Umweltbelastung voneinander entkoppelt werden. Das heisst, die Belastung von Luft, Klima, Wasser oder Wälder und der Verbrauch an nicht erneuerbaren Ressourcen wie fossile Energien, Rohstoffen und Boden müssen abnehmen, auch wenn Bevölkerung und Wirtschaft weiter wachsen.

Wirtschaftsmodell stösst an Grenzen

Bei der Bewältigung dieser Herausforderungen stösst das gegenwärtige Wirtschaftsmodell klar an seine Grenzen. Eine grüne Wirtschaft ist also notwendig, eine Wirtschaftsweise, in der Konsum und Produktion die Umwelt nur so stark belasten, dass die natürlichen Ressourcen in ausreichender Qualität und Quantität für uns und kommende Generationen zur Verfügung stehen. Wollen wir unsere Lebensqualität nicht in Frage stellen, liegt der wichtigste Schlüssel für eine Grüne Wirtschaft in der Steigerung der Ressourceneffizienz. Das bedeutet, dass wir mit weniger Umweltschäden und Ressourcenverbrauch mehr wirtschaftliche Leistung erbringen.

Dazu muss die Forschung neue effizientere Technologien und Verfahren entwickeln, die Wirtschaft diese in der Entwicklung der Produkte und den Produktionsprozessen einsetzen und die Konsumentinnen und Konsumenten für diese ressourcenschonenden Produkte gewonnen werden. Angesichts der schnell zunehmenden Übernutzung muss diese Effizienzwende bis spätestens in 20 Jahren greifbare Resultate hervorbringen und demzufolge sofort eingeleitet werden. Dies setzt eine rasche Veränderung unserer Produktions- und Konsummuster voraus. Sie kommt einer erneuten industriellen Revolution gleich und benötigt klare politische Ziele.

Das Engagement von Privatsektor und Zivilgesellschaft

Schweizer Unternehmen zählten schon früh zu den Vorreitern beim privatwirtschaftlichen Engagement für die Nachhaltige Entwicklung. Die Schweiz verfügt mit national ausgerichteten Unternehmerverbänden, wie etwa dem Netzwerk für ökologisches Wirtschaften Öbu oder dem Verband swisscleantech über Organisationen, die die Nachhaltigkeitsbestrebungen des Privatsektors unterstützen und stärken. Viele Schweizer Unternehmen engagieren sich für nachhaltige Produkte und Produktionsprozesse; so sind die grössten Detailhandelsfirmen auch die grössten Förderer des Absatzes von Labelprodukten. Schweizer Unternehmen leisten mit ihren freiwilligen Massnahmen im Rahmen des CO2-Gesetzes einen wichtigen Beitrag, damit die Schweiz ihre Klimaschutzziele erreicht. Am «Global Compact» der Vereinten Nationen sind die meisten grossen Schweizer Unternehmen beteiligt.

Präsentation von Botschafter Franz Perrez (pdf), Chef Abteilung Internationales, BAFU

Auskünfte: Botschafter Franz Perrez, Chef Abteilung Internationales BAFU, 079 251 90 15